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Girlitz
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Der Girlitz (Serinus serinus) ist die kleinste europĂ€ische Art aus der Familie der Finken (Fringillidae) und ist nahe mit dem Kanarengirlitz verwandt. Sein etwas hektisch wirkender und klirrender Ruf âzr-r-rilittâ hat dem Vogel den Namen gegeben. Die leicht stereotypen und mehrfach hintereinander wiederkehrenden, zyklischen Gesangsstrophen des Girlitzes sind unter den Stieglitzartigen (Carduelinae) ungewöhnlich.cite-ref-song-organisation-1-0[1] Der Girlitz besiedelt Nordafrika, Kontinentaleuropa und Kleinasien. Seine Nahrung setzt sich hauptsĂ€chlich aus Knospen und Samen zusammen. Die Art gilt derzeit als nicht gefĂ€hrdet. BirdLife Ăsterreich kĂŒrte den Girlitz zum Vogel des Jahres 2021.
Contents
âą Beschreibung
âą Verbreitung
âą Wanderungen
âą Arealausweitung
âą Lebensraum
⹠ErnÀhrung
âą Fortpflanzung
âą Balz und Paarung
âą Nestbau und Brut
âą Verhalten
âą Sozialverhalten
âą Systematik
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Beschreibung
Der Girlitz ist wie alle Vertreter der Gattung von rundlicher Gestalt mit kurzem Hals. Kennzeichnend sind ein stumpfer Kegelschnabel und ein leuchtend gelber BĂŒrzel. Der Schwanz ist etwas lĂ€nger und weniger tief gegabelt als bei Zeisigen. Die mittleren Steuerfedern sind einheitlich dunkel, die FĂŒĂe rötlich bis dunkelbraun, die Iris der Augen braun. Girlitze weisen eine KörperlĂ€nge von gut 11 Zentimetern und eine FlĂŒgelspannweite von gut 20 Zentimetern auf. Das Körpergewicht liegt bei 11â13 Gramm.
Der Girlitz weist einen Geschlechtsdimorphismus auf. Das MĂ€nnchen trĂ€gt ein gelbes, mehr oder weniger intensiv gestreiftes Gefieder. Die Stirn, die Kehle und die Brustmitte sind ungestreift gelb, direkt nach der Jugendmauser im Herbst jedoch durch dunklere FedersĂ€ume verdeckt. Am Scheitel finden sich undeutliche schwĂ€rzliche Schaftstreifen und gelblichgrĂŒne SĂ€ume. An den Ohrdecken kann er durch ein schmales, gelbes Nackenseitenband begrenzt sein. Der grob schwarz lĂ€ngsgestreifte RĂŒcken weist an den seitlichen FederrĂ€ndern meist eine gelbliche FĂ€rbung auf. Der lebhaft gelbe BĂŒrzel zeigt auf den vorderen Federn einzelne schmale, scharf abgesetzte Schaftstriche und eine zwischen die graue Federbasis und den gelben Spitzenabschnitt eingeschaltete weiĂe Querbinde. Der zu einem Drittel graue Schwanz weist im Rest eine gelblichgrĂŒne mit braunem Schaftbereich und grauem Spitzensaum versehene FĂ€rbung auf. Die gelben Brustseiten sind nach hinten zunehmend blasser gefĂ€rbt; die gelblichweiĂen Flanken sind durch schwĂ€rzliche Schaftstriche gekennzeichnet. Der Bauch ist weiĂlich. Die fahlen Unterschwanzdecken sind grĂŒnlichgelb oder weiĂlich mit grĂŒnlichgelbem Anflug. Die braunen Steuerfedern weisen einen schmalen gelbgrĂŒnen AuĂen- und hellbeigen Innenfahnen- und Spitzensaum auf, die Schwung- und Deckfedern sind an der FlĂŒgeloberseite braun. WĂ€hrend die Handschwingen einen schmalen grĂŒnen, teilweise beigen AuĂenfahnensaum aufweisen, zeigen die Armschwingen einen grĂŒnlichbeigen AuĂenfahnen- und Spitzensaum. Die Handdecken und alle groĂen Armdecken sind (gelb)grĂŒnlichbeige gefĂ€rbt; die Innenfahne an der Spitze ist (gelb)grĂŒnlichbeige. Die mittleren Arm- und Randdecken weisen ein intensiveres GelbgrĂŒn auf. Die Schwungfedern sind unterseits graubraun gefĂ€rbt; die groĂen UnterflĂŒgeldecken sind hell graubeige. Die restlichen Deckfedern können einen starken grĂŒnlichgelben Anflug zeigen.
Das Weibchen hat ein gelbes Gefieder, das blasser als beim MĂ€nnchen ist. Abgesehen vom meist ungezeichneten intensiv hellgelben BĂŒrzel ist das Gefieder ĂŒberall schwarzbraun lĂ€ngsgestreift. KrĂ€ftige Streifen finden sich an Brust und RĂŒcken. Durch gelbliche FedersĂ€ume wird ein Nackenband angedeutet; Scheitel und RĂŒcken sind sonst hellbrĂ€unlich bis beige. Selten weist es einen ausgeprĂ€gten GrĂŒnton auf. Im FlĂŒgel zeigen die beim MĂ€nnchen grĂŒnlichen SĂ€ume einen beigeren Ton mit grĂŒnlichem Anflug.
Jungvögel sind bis zur Jugendmauser im Herbst zimtbraun bis rotbrĂ€unlich mit dunklen LĂ€ngsstreifen gefĂ€rbt und haben keinen gelben BĂŒrzel. Die zimtbraunen Oberkopf-, Hals-, RĂŒcken- und Schulterfedern weisen breite braunschwarze Schaftstreifen auf; Nacken und Wangen sind Ă€hnlich hell und gelblich wie die Unterseite. Der zimtbraune oder gelbe HinterrĂŒcken ist durch braunschwarze Schaftstreifen gekennzeichnet. Der Schwanz ist graubraun gefĂ€rbt und mit einem breiten zimtbraunen Saum versehen. Kinn, Kehle und Vorderbrust sind hell zimtbraun gefĂ€rbt, an der Vorderbrust gelbweiĂ bis gelblichbeige. Auffallend ist der markante schwarze Schaftstreif. WĂ€hrend der Bauch gelblichrahmfarben gehalten ist, zeigen die hell zimtbraunen Flankenfedern einen markant abgesetzten, dunkel braungrauen Schaftstreif. Die beigen Unterschwanzdecken sind durch einen spitz auslaufenden, dunkel braungrauen Schaftstreif gekennzeichnet. Die Steuerfedern sind braun gefĂ€rbt und sind durch einen schmalen grĂŒnlichgelben AuĂenfahnensaum und beigen Spitzen- und Innenfahnensaum gekennzeichnet. WĂ€hrend die dunkelbraunen Handschwingen einen schmalen grĂŒnlichgelben AuĂenfahnen- und zimtbraunen Spitzensaum aufweisen, sind die Armschwingen in der HĂ€lfte mit rostbraunem AuĂenfahnen- und Spitzensaum mit grĂŒnlichgelbem Anflug versehen. Die dunkelbraunen Handdecken weisen einen grĂŒnlichzimtbraunen AuĂenfahnensaum auf. Die groĂen und mittleren Armdecken sind dunkelbraun gefĂ€rbt und zeigen einen markant abgesetzten rostigzimtbraunen AuĂenfahnen- und Spitzensaum. Die Deckfedern der FlĂŒgelunterseite sind brĂ€unlichgrau. Der Schnabel ist horngrau oder hornbraun; die SchnabelwĂŒlste rahmgelb.
WĂ€hrend die Jugendmauser in Mitteleuropa eine Teilmauser darstellt, ist sie auf der Iberischen Halbinsel umfassender, jedoch keine Vollmauser. In der Schweiz geht die Jugendmauser von Mitte Juli bis ĂŒber Ende Oktober hinaus.
Der Flug des Girlitzes ist auffallend wellenförmig und entspricht dem typischen Flugbild der Finken.
Stimme und Gesang
Der Name âGirlitzâ leitet vom zwei- bis dreisilbigen StimmfĂŒhlungsruf des Vogelscite-ref-2[2] ab, der aus hohen lauten Trillern besteht. Er klingt wie âtirrilillitâ oder âzirrirrilitâ. Der Kontaktaufnahme oder dem Locken dienen KlĂ€nge wie âtschizickâ, âtschit-tschittschitâ. Um Artgenossen zu warnen, gibt der Girlitz ein einzeln oder mehrmals wiederholtes, etwas gequetschtes ânĂ€tschâ oder nasales âwĂ€jiâ von sich. Diese Rufe werden gegebenenfalls zwischen Gesangsstrophen eingeschoben.
Der Bettelruf der flĂŒggen Jungvögel setzt sich aus einem zweisilbigen hohen âprrrpâ oder âziiâ, âziizâ und âzizâ (einzeln oder gereiht) zusammen. Bei Erregung klingt er eher wie âziiz-ziiz, ziz-ziz-ziiâ.
Der klirrend-sirrende Vollgesangcite-ref-3[3] setzt sich aus einer dichten und sehr schnellen Folge kurzer, hoher Laute zusammen, die diesem Vogel die Bezeichnungen âGlasschneiderâ und âHirngrillâ eingetragen haben. Die Tonhöhe liegt hauptsĂ€chlich zwischen fĂŒnf und neun Kilohertz. Das Gesangsrepertoire umfasst ĂŒber 50 komplexe Silben, die in einem sehr schnellen Tempo und einer sehr stereotypen Reihenfolge eigene Lieder bilden. Starke Variationen finden sich im Ăbergang von einer Tour (zusammenhĂ€ngenden Abfolge von Silben, also (Teil-)Strophe) in eine andere (Modulation). Das Gesangsrepertoire ist unter den Stieglitzartigen (Carduelinae) einzigartig.cite-ref-song-organisation-1-1[1] Zudem umfasst es eine variable Menge an Silben, die auch im Gesang anderer Vögel verwendet werden. Es konnte bewiesen werden, dass die Komposition des Repertoires geographisch variiert.cite-ref-song-organisation-1-2[1]
Der Gesang ist in Zyklen strukturiert (PeriodizitĂ€t), die keine feste zeitliche Struktur aufweisen und jederzeit abrupt gestoppt werden können. In einem wiederkehrenden Intervall können an einer begrenzten Anzahl von Stellen neue Elemente integriert werden. Die Strukturierung in Phrasen (Phrase: selbstĂ€ndiger Abschluss eines MusikstĂŒcks) ist jedoch wenig ausgeprĂ€gt. In den Strophen finden sich sowohl Triller-Touren, die sich aus kurzen Trillern oder schwirrenden ârirrâ-, âsirrâ-, âsisâ-, âsiiâ-KlĂ€ngen und âzirrâ-, âlirr-â, âlilâ- und âlitâ-Lauten zusammensetzen, als auch schnelle, wiederholungsfreie Touren mit steilflankigen Elementen (dichte, sehr schnelle Silbenabfolge kurzer, hoher Laute). Letztere stellen im Sonagramm den wichtigsten Teil des Liedes dar. Beide Gesangselemente weisen Unterschiede in Bezug auf den durchschnittlichen Gebrauch von interelementaren Intervallen (Ăbergang von einer Tour in eine andere) auf. Zudem differenzieren sie wahrscheinlich auch in Bezug auf die Atembewegungen.cite-ref-song-organisation-1-3[1] Die Strophendauer schwankt in der Regel erheblich. Dabei verwendet der Girlitz oft kurze Strophen, insbesondere zu Beginn des Gesangs. WĂ€hrend beim Balz- und Reviergesang zwischen die Strophen manchmal eine klangvollere perlende Tour eingeschoben wird, dominieren insbesondere den Kontergesang fast direkt hintereinander gesetzte Strophen, die in der Regel durch ein âzirrirrilitâ voneinander abgetrennt werden.
Der Girlitz trĂ€gt die Strophen mit offenem Schnabel und leicht angehobenem Schwanz entweder von einer Singwarte aus oder im Singflug vor. WĂ€hrend des Singflugs bebt er am ganzen Körper und wendet den Kopf immer wieder von einer Seite zur anderen. Oft singt er im Flug von einer Warte zur anderen weiter, hĂ€ufig macht er auch im Ausdrucksflug langsame und weit ausholende FlĂŒgelschlĂ€ge und wirft sich nach rechts und links.
In der Regel beginnt der Reviergesang in Mitteleuropa im Februar, besonders aber in der zweiten MĂ€rzhĂ€lfte. Von Anfang Juli bis Anfang August verringert sich die Zahl der singenden Vögel zunehmend, auch wenn einzelne Exemplare bis Ende Juli den Vollgesang vortragen und SingflĂŒge zeigen. Von Ende August bis in den Januar hinein lĂ€sst der Girlitz vereinzelt den rauen, kratzigen Herbst- und Wintergesang hören, der dem Jugendgesang entspricht. Sowohl im Winterquartier als auch im April im Brutgebiet steigert er sich bisweilen zum Chorgesang. Auf der Rast wĂ€hrend des Heimzuges ertönt auch hĂ€ufig Gesang.
Verbreitung
Der Girlitz ist in Nordafrika und Kontinentaleuropa sowie in Kleinasien verbreitet. Das ursprĂŒngliche Verbreitungsgebiet liegt im Mittelmeerraum und reicht von Nordafrika bis nach SĂŒdeuropa. Im 19. und 20. Jahrhundert begann der Girlitz sein Verbreitungsgebiet nach Mittel- und Westeuropa zu erweitern und den Nahen Osten zu besiedeln. Auch im Baltikum ist der Girlitz zu finden. Im Osten ist er in Belarus, der Ukraine und bis an die KĂŒste des Schwarzen Meeres verbreitet. Im SĂŒden besiedelt er die Balearen, die Kanarischen Inseln, die Inseln der ĂgĂ€is, Zypern, aber auch den Norden Marokkos, Tunesiens und Algeriens sowie Ăgyptens.
Wanderungen
Girlitze sind in SĂŒdeuropa und Nordafrika Standvögel. In Mitteleuropa und in Kleinasien sind sie Teilzieher und in Teilen DĂ€nemarks und SĂŒdschwedens Zugvögel. Die von November bis Februar genutzten Winterquartiere liegen in West- und SĂŒdeuropa, in Nordafrika sowie im Nahen Osten.
Arealausweitung
Der Girlitz weitete sein Verbreitungsgebiet vor allem im 20. Jahrhundert wesentlich nach Norden und Nordosten aus. Die Ausbreitung, insbesondere in GroĂbritannien, wird jedoch widersprĂŒchlich beschrieben. WĂ€hrend die Schwedencite-ref-artdata-4-0[4] davon ausgehen, dass der Girlitz in den 1940er bis 1950er Jahren von sĂŒdlichen Gebieten der Ostsee- und der KanalkĂŒste Teile DĂ€nemarks und SĂŒdschweden erreichte, legen die Britencite-ref-birdguides-5-0[5] den Beginn der Expansion GroĂbritanniens und SĂŒdskandinaviens in die 1970er Jahre.
Nach Browncite-ref-6[6] wurde bereits 1852 der erste Girlitz in GroĂbritannien gesichtet, jedoch erst im Jahre 1967 in Dorset das erste Brutpaar beobachtet. Seitdem erscheinen einer Quellecite-ref-7[7] zufolge jĂ€hrlich etwa 60 Vögel, meist im FrĂŒhjahr, und weniger Exemplare im Herbst. Einer anderen Quellecite-ref-artdata-4-1[4] zufolge wurden bisher nur zwei nachgewiesene Brutpaare festgestellt, obwohl mehrere auf den Britischen Inseln vermutet werden. Dem widerspricht eine weitere Quelle,cite-ref-birdguides-5-1[5] nach der auf Jersey 20 Paare gezĂ€hlt und in Devon einige Paare gesichtet wurden. Die erwartete Kolonisation fand bisher jedoch nicht statt. In den letzten Jahren wurden lediglich einige singende MĂ€nnchen, aber kein weiterer Beweis fĂŒr das BrĂŒten gefunden. SchlieĂlich ermittelt eine Quellecite-ref-8[8] fĂŒr den Zeitraum von 1958 bis 2003 genau 368 Vögel in GroĂbritannien.
Lebensraum
Der Lebensraum in Mitteleuropa reicht von der MeereskĂŒste bis in 2000 m Höhe. Die bevorzugten Habitate des Girlitzes sind offene Landschaften in flachen Regionen oder Hanglagen. Dort bieten BĂ€ume und BĂŒsche, die von KrautflĂ€chen umgeben sind, Versteckmöglichkeiten, hohe Singwarten und eine ausreichende Nahrungsgrundlage. Er besiedelt aber auch Moore, Berglandschaften, BĂŒsche und Dickichte an FlĂŒssen und BĂ€chen, die Randlagen verschiedener Waldgesellschaften und das Innere lichter WĂ€lder.
Der Girlitz besiedelt in Mitteleuropa als Kulturfolger kleinrĂ€umig und abwechslungsreich bewirtschaftete SiedlungsrĂ€ume. Er weist die gröĂten Siedlungsdichten in GroĂstadtvororten und mehr lĂ€ndlichen Siedlungen mit GĂ€rten, Alleen, Parks, Friedhöfen, Baumschulen, Olivenhainen, traditionellen Weinbaugebieten und ObstgĂ€rten auf, solange diese nicht ĂŒberwiegend aus Niedrigstammkulturen bestehen. Auch Eisenbahnanlagen und IndustriegelĂ€nde mit LagerflĂ€chen können als Bruthabitate dienen. Seltener ist die Art in Dörfern mit rein lĂ€ndlichem Charakter oder in der NĂ€he von Einzelhöfen zu finden. Randferne Waldzonen werden in der Regel ebenso gemieden wie GroĂstadtzentren und geschlossene Waldgebiete. Ăberwinterer besiedeln ĂŒberwiegend Ruderalfluren mit BeifuĂ und anderen samentragenden Stauden und KrĂ€utern. Sie sind aber auch auf Schutt-, Bau- und TrĂŒmmerplĂ€tzen sowie an KlĂ€ranlagen und BahndĂ€mmen zu finden, wenn BĂ€ume in der NĂ€he sind.
In Spanien ist der Girlitz bis in 2500 m Höhe und den PyrenĂ€en bis in 2080 m Höhe verbreitet. Er bevorzugt dort WĂ€lder und baumreiche Landschaften. Er besiedelt dort vor allem Auen- und SteineichenwĂ€lder, aber auch EschenbestĂ€nde und Orangenhaine. Bis zur oberen Baumgrenze dienen ihm WĂ€lder als Habitate. Auf dem Balkan ist der Girlitz nur im (Pirin-)Gebirge bis 2500 m Höhe zu finden. Im SĂŒden der Halbinsel und in Kleinasien besiedelt er ausschlieĂlich GebirgsnadelwĂ€lder. In Griechenland sind dies hauptsĂ€chlich TannenwĂ€lder, in Anatolien auch WĂ€lder der Kalabrischen Kiefer und der Libanon-Zeder. AuĂerhalb der Brutzeit zieht der Girlitz vor allem KrautflĂ€chen und Ruderalfluren vor.
Im Hohen Atlas stellen auch die höher gelegenen Weidegebiete und Ginster- und Wacholder-Heiden geeignete LebensrÀume dar.
ErnÀhrung
Der Girlitz sucht seine Nahrung normalerweise ganzjĂ€hrig auf dem Boden und manchmal auf Stauden oder in Birken. Er ernĂ€hrt sich hauptsĂ€chlich von Knospen und Samen, vor allem im Sommer auch von kleinen Insekten. Der Girlitz frisst bevorzugt Wiesen-Löwenzahn, Vogelmiere, Vogel-Knöterich und HirtentĂ€schelkraut. Seine Nahrung besteht ferner aus folgenden WildkrĂ€utern: BeifuĂ, Echtes MĂ€desĂŒĂ, Wiesen-Sauerampfer, Acker-GĂ€nsedistel, WeiĂer GĂ€nsefuĂ und Gewöhnliches KnĂ€uelgras. Er frisst auch Birken-, Erlen-, Ulmen- sowie Sonnenblumensamen. AuĂerdem ernĂ€hrt er sich von BlĂŒten, BlĂ€ttern und BlattlĂ€usen.
Fortpflanzung
Der Girlitz fĂŒhrt eine monogame Brutehe. Die Brutzeit dauert in Mitteleuropa von Mitte MĂ€rz bis Mitte Mai. Es gibt Hinweise darauf, dass Ăberwinterer ihre Reviere frĂŒher beziehen als Heimzieher.
Balz und Paarung
Das MĂ€nnchen leitet die Balz ein. Dazu sitzt es meist in einer zwei bis vier Meter hohen Astgabel in einem Busch oder Baum. Dabei verstĂ€rkt es den Gesang und lĂ€sst die FlĂŒgel hĂ€ngen, wĂ€hrend es sich um die eigene Achse dreht. Sobald es mit seinem Gesang ein Weibchen angelockt hat, strĂ€ubt es die Kehlfedern, lĂ€sst die FlĂŒgel hĂ€ngen und breitet die Schwanzfedern aus, wobei es fortwĂ€hrend seinen Körper nach links und rechts dreht. Dann erhebt es sich unerwartet und fliegt singend in die Höhe. Dabei flattert es mit langsam schlagenden FlĂŒgeln in gröĂeren Kreisen um seinen Standbaum oder von einer Singwarte zur nĂ€chsten. Ist es dort gelandet, wird das Balzritual fortgesetzt, das das Weibchen zum Nestbau anregen soll. WĂ€hrend des Werbens lĂ€sst das Weibchen hĂ€ufig seinen trillernden Lockruf hören und schlĂ€gt mit den FlĂŒgeln. Es ist stĂ€ndig in Bewegung und fordert meistens zur Paarung auf.
Nestbau und Brut
Nachdem das Weibchen in Begleitung des MĂ€nnchens mögliche NistplĂ€tze geprĂŒft hat, beginnt es den Nestbau. Dabei bevorzugt der Girlitz gut versteckte Orte in Verbindung mit einem guten Ausblick. In Mittelgebirgen ist auch der Schutz gegen die Hauptwindrichtung von Bedeutung. Oft wĂ€hlt der Girlitz einen Nistplatz in NadelbĂ€umen oder dichten BĂ€umen und BĂŒschen aus. Aber auch Halt und Deckung versprechende Ăste und Astgabeln von LaubbĂ€umen werden genutzt. In Mittel- und Westeuropa nisten die meisten Girlitze in LebensbĂ€umen (Thuja spp.), weniger Exemplare in BuchsbĂ€umen (Buxus), im Wacholder (Juniperus) oder in Ahornen (Acer spp.).cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Das kleine napfförmige Nest wird vom Weibchen aus feinen Reisern, kleinen Wurzeln, dĂŒrren Halmen, Blattrippen, BlĂŒtenrispen von GrĂ€sern, BlĂŒtenköpfchen von KrĂ€utern, grĂŒnem Moos, Pflanzenfasern, Samenhaaren, Tier- und/oder Pflanzenwolle gebaut. Es werden weiterhin Spinnweben, WollfĂ€den, SchnĂŒre, Papierschnipsel und Stoffreste genutzt. Die Nestmulde wird mit feinen Wurzeln und/oder Halmen und Grannenhaaren, Fasern, Wollhaaren, Federn, Watte, WollfĂ€den gepolstert. Je nach Angebot können die Materialien variieren. Der Nestbau beginnt in der Regel Mitte April und dauert etwa drei bis sechs Tage. WĂ€hrend der Brutzeit bewacht das MĂ€nnchen das Weibchen und den Brutbaum oder -busch gegen Artgenossen.
Sobald das Weibchen das Nest fertig gestellt hat, legt es das erste Ei und etwa jeden Tag ein neues. Girlitze brĂŒten erst, wenn das Gelege mit drei bis fĂŒnf Eiern vollstĂ€ndig ist. Die Eier haben eine grĂŒnliche oder blĂ€uliche Grundfarbe und sind braunrot und hellviolett gefleckt. Ihre GröĂe liegt zwischen 14,4 Ă 11,0 mmÂČ und 17,6 Ă 12,5 mmÂČ.cite-ref-hbv-11-0[11]cite-ref-12[12] Die Weibchen sind in Europa von April bis August, in Afrika von Februar bis Mai in Brutstimmung. Dementsprechend brĂŒten sie ein bis zweimal im Jahr. Charakteristisch ist ein enger Paarzusammenhalt. Das Weibchen brĂŒtet allein und wird nicht vom MĂ€nnchen abgelöst. Es verlĂ€sst das Nest kurz am Morgen und am Abend, um Kot abzusetzen und zu trinken. Die restliche Zeit versorgt das MĂ€nnchen das Weibchen mit Nahrung aus dem Kropf. Die Weibchen sitzen normalerweise sehr fest und ausdauernd auf den Eiern. Die Brutzeit dauert etwa zwölf bis vierzehn Tage.
Der Bruterfolg in Mitteleuropa liegt ohne BerĂŒcksichtigung der Totalverluste bei etwa 70,5 Prozent. Dabei liegt der Anteil der geschlĂŒpften Jungvögel bei 90,3 Prozent. Im Vergleich dazu sind in Polen nur 42,2 Prozent der Bruten erfolgreich.cite-ref-hbv-11-1[11] Die hohe Erfolgsrate der Bruten kann durch die geringe GröĂe des Nestes, das allein schon guten Sichtschutz gewĂ€hrt, erklĂ€rt werden. HĂ€ufige Verlustursachen stellen die Predation durch Rabenvögel und Katzen, Ameisenbefall sowie starke Winde dar. Dauerregen kann zum Tod nicht mehr gehuderter, Ă€lterer Nestlinge fĂŒhren. Der Anteil der Predation nimmt im Laufe der Brutperiode zu, dennoch ist der geringe Bruterfolg gegen Ende der Saison vor allem auf hitze- und trockenheitsbedingte Verluste zurĂŒckzufĂŒhren. Die hĂ€ufigsten NestrĂ€uber stellen die Hausratte (Rattus rattus), Rabenvögel und die Eidechsennatter (Malpolen monspessulanus) dar. Im Vergleich zu Mitteleuropa zeigt sich in den sĂŒdeuropĂ€ischen Orangenhainen im Laufe der Brutsaison eine stĂ€rkere Abnahme der GelegegröĂe. Im Sommer verschlechtern sich die Umweltbedingungen derart, dass sich nur bisher erfolglos brĂŒtende Paare an weiteren Brutversuchen beteiligen.cite-ref-hbv-11-2[11]
Entwicklung der Jungen
Das SchlĂŒpfen der Brut kann sich ĂŒber einen Zeitraum von bis zu drei Tagen erstrecken. Am Schlupftag leben die Jungen vom Dottersack. Zur Inspektion des Nestes unterbricht das Weibchen das Hudern regelmĂ€Ăig. Beide Partner fĂŒttern die Nestlinge ein- bis zweimal pro Tag mit aus dem Kropf hervorgewĂŒrgter Nahrung. In dieser Phase benötigen die Jungvögel zusĂ€tzlich tierisches EiweiĂ, so dass sie auch mit kleinen Insekten, KĂ€fern, Raupen und BlattlĂ€usen versorgt werden. Zudem bekommen sie viele BlĂ€tter und Knospen zu fressen. Die Augen der Nestlinge öffnen sich am vierten Tag schlitzförmig, die Ohren ab dem fĂŒnften Tag. GröĂere Nestlinge betteln laut und ausdauernd. Nach etwa einer Woche suchen die Jungen den Nestrand, stemmen sich daran hoch und koten ĂŒber den Rand. Nach dem 14. Lebenstag regt sich der Fluchttrieb, so dass die Jungen bei Störungen aus dem Nest springen können. Sie haben abgesehen von einem Stummelschwanz und Flaumendaunen am Kopf ein vollstĂ€ndiges Federkleid. Ăber den 16. bis 17. Tag fliegen die Jungen aus und verteilen sich in der Umgebung des Nestbaumes. Sie werden aber bis zum 23. Tag noch von ihren Eltern gefĂŒttert. Oft versorgt das MĂ€nnchen die Jungen allein und bringt ihnen bei, auf Nahrungssuche zu gehen und selbststĂ€ndig zu fressen. WĂ€hrenddessen beginnt das Weibchen mit der zweiten Brut.
Nach zwei bis drei Monaten haben die flĂŒggen, das heiĂt selbststĂ€ndigen Jungvögel die Jugendmauser, in der nur das Kleingefieder ohne FlĂŒgel- und Schwanzfedern ausgetauscht wird, abgeschlossen und sind zum Ausgang des ersten Lebensjahres geschlechtsreif. Gefahr droht ihnen von Katzen, Greifvögeln und Mardern. Freilebende Vögel werden maximal acht bis neun Jahre alt.
Nachdem alle Altvögel die Mauser im SpĂ€tsommer nach sechs bis acht Wochen abgeschlossen haben, schlieĂen sich mitteleuropĂ€ische Girlitze in gröĂeren SchwĂ€rmen zusammen und ziehen im Oktober nach SĂŒdeuropa. Im MĂ€rz kehren sie zurĂŒck.
Verhalten
Girlitze sind tagaktiv. Sie verlassen ihren Schlafast mit Tagesbeginn, mit Sonnenuntergang suchen sie ihn wieder auf. In den frĂŒhen Morgenstunden ist die Nahrungssuche am intensivsten. Der Girlitz kann sogar im Hochsommer am frĂŒhen Nachmittag intensiv singen. Die AktivitĂ€tsphase wird hĂ€ufig durch Ruhe- und Putzphasen unterbrochen. HĂ€ufig geht der Girlitz zum Trinken und Baden an Wasserstellen. Bei den sĂŒdeuropĂ€ischen Vögeln beginnt im Winter die AktivitĂ€tsphase deutlich spĂ€ter und endet frĂŒher.
Sozialverhalten
Girlitze kommunizieren ĂŒber Rufe und auch Gesang. Sie sind sehr friedliche und vertrĂ€gliche Vögel. Sehen sie Fressfeinde, fliegen sie in den Schutz von BĂŒschen und BĂ€umen und stoĂen einen Warnruf aus. Verpaarte Vögel suchen die Nahrung gemeinsam, das MĂ€nnchen manchmal allein. Bei Streitigkeiten, vor allem um begehrtes Futter, SitzplĂ€tze oder Nistmaterial, beschrĂ€nken sich die Rivalen auf gegenseitiges Drohen, wonach der Unterlegene aufgibt. Reicht das Abspreizen der FlĂŒgel nicht aus, hacken sie aggressiv mit den SchnĂ€beln und jagen sich manchmal. Ergibt sich einer der Rivalen, streckt er seinen Körper und legt sein Gefieder eng an. Auch wenn ein Girlitz stark erschreckt wird, zeigt er dieses Demutsverhalten. Vor allem zur Paarungszeit kommt es zu Schnabelgefechten und Verfolgungsjagden.
Wenn sich Girlitze groĂe Zuneigung bekunden wollen, schnĂ€beln sie miteinander. Putzen sie sich auch noch gegenseitig, bekunden sie damit ihre Sympathie fĂŒreinander. Sie bieten ihrem Partner zur Pflege hĂ€ufig Körperpartien an, die sie beim Putzen mit dem Schnabel nicht erreichen. Als Aufforderung zum Putzen streckt einer dem anderen also Nacken, Kopf oder Kehle entgegen. Der Partner zieht nun an der dargebotenen Stelle eine Feder nach der anderen durch den Schnabel. BerĂŒhrt er aber einmal andere Körperstellen, wird der Geputzte sogleich unruhig, pickt nach ihm oder fliegt fort.
Der Girlitz hat eine ausgeprĂ€gte Körpersprache entwickelt, die teilweise mit der Körperpflege verwechselt werden kann. So kann das Abspreizen der FlĂŒgel zum einen der Drohung seinen Artgenossen gegenĂŒber dienen, um Nahrung, das Revier oder ein Weibchen fĂŒr sich zu beanspruchen, aber zum anderen auch nur ein Strecken sein, um sich abzukĂŒhlen. Ein aufgesperrter Schnabel dient entweder genauso der Drohung oder ist ein Mittel zur AbkĂŒhlung (Hecheln). Auch das Wetzen des Schnabels an einem Ast kann einerseits der Beschwichtigung aggressiver Artgenossen dienen, andererseits aber auch lediglich der Reinigung desselben dienen. HĂ€lt er seinen Kopf schief, fordert er seinen Partner zum Kraulen auf oder beobachtet seine Umgebung mit einem Auge.
Territorialverhalten
Zur Brutzeit verhĂ€lt sich der Girlitz territorial. In seinem Territorium singt das MĂ€nnchen gerne auf erhöhten Singwarten mit uneingeschrĂ€nkter Sicht ĂŒber das Revier, so dass er bei Gesang und Balzflug von Weibchen und Rivalen gesehen wird. Je nach Habitat enden Auseinandersetzungen zwischen benachbarten MĂ€nnchen im Laufe von Stunden oder Tagen. WĂ€hrend anfangs SingflĂŒge noch in Verfolgungsjagden enden können, beschrĂ€nken sich Reviernachbarn spĂ€ter auf den Kontergesang. Im Herbst entstehen Schlafgemeinschaften von bis zu 150 Exemplaren, die im Winter auch mit SchwĂ€rmen von BluthĂ€nfling, Stieglitz und GrĂŒnling vermischt sein können.
Die Siedlungsdichte des Girlitzes variiert selbst bei flĂ€chendeckender Verbreitung sehr stark und hĂ€ngt wegen des dicht gedrĂ€ngten Vorkommens in gĂŒnstigen Habitaten von der Wahl und GröĂe der KartierungsflĂ€chen ab. In bevorzugten Habitaten liegen die Mittelpunkte benachbarter Reviere durchschnittlich etwa 80 m auseinander; benachbarte Nester sind durchschnittlich etwa 25 bis 75 m voneinander entfernt. SingflĂŒge können ĂŒber Strecken bis zu 500 m fĂŒhren.cite-ref-hbv-11-3[11] Die durchschnittliche Siedlungsdichte liegt je nach Habitat zwischen 2 und 14 Brutpaaren auf 10 Hektar.cite-ref-hbv-11-4[11]cite-ref-durchschnitt-13-0[13]cite-ref-friedhof-14-0[14] Die ReviergröĂen sind demzufolge ungefĂ€hr zwischen 0,7 Hektar und 5 Hektar anzunehmen. WĂ€hrend auf mitteleuropĂ€ischen Friedhöfen durchschnittlich 2 Brutpaare auf 10 Hektar registriert werden,cite-ref-hbv-11-5[11] leben auf polnischen Friedhöfen und in Stadtparks im Durchschnitt 5 bis 8 Brutpaare auf 10 Hektar.cite-ref-hbv-11-6[11]cite-ref-friedhof-14-1[14] WĂ€hrend in Stadtgebieten, die gewöhnlich eine sehr ungleiche Verteilung mit lokalen Konzentrationen von bis zu 5 Brutpaaren pro Hektar aufweisen, die Siedlungsdichte groĂflĂ€chig kaum 2 Brutpaare auf 10 Hektar ĂŒbersteigt,cite-ref-hbv-11-7[11]cite-ref-durchschnitt-13-1[13] liegt sie in lĂ€ndlichen Gegenden bei bis zu 2,5 Brutpaaren auf 10 Hektar. Im Zerr-Eichen-Mischwald leben durchschnittlich 13,7 Brutpaare auf 10 Hektar.cite-ref-hbv-11-8[11]
Systematik
Externe Systematik
Durch DNA-Untersuchungen des mitochondrialen Cytochrom bcite-ref-15[15]cite-ref-16[16] wurde festgestellt, dass die Gattung Serinus nah mit der Gattung Carduelis verwandt ist. Weitere phylogenetische Untersuchungencite-ref-radiation-17-0[17] mitochondrialen Cytochrom b an 20 Arten der Gattung Serinus bezogen die molekulare Uhr mit in ihre Analyse ein. Die DNA-Dendrogramme weisen darauf hin, dass die Gattung Serinus vor neun Millionen Jahren im MiozĂ€n erstmals aufgetreten ist. Die Herausbildung der Unterarten begann demnach vor zwei Millionen Jahren im PleistozĂ€n. Im Durchschnitt betrĂ€gt die Divergenz in der DNA des Zellkerns zwischen den verschiedenen Serinus-Arten etwa vier Prozent. Dieser Wert legt eine im Vergleich zu anderen Singvögel-Gattungen bemerkenswert zĂŒgige Ausbreitung der Arten nahe. Im RĂŒckschluss auf phylogenetische Dendrogramme der meisten Carduelis- und Serinus-Artencite-ref-18[18] zeigt sich, dass die Ausbreitungsradien beider Gattungen im Entwicklungszeitraum verschrĂ€nkt sind und auch nicht monophyletisch sind. Die ersten Serinus-Arten traten etwa eine halbe Million Jahre nach den Carduelis-Arten auf.
Diese Untersuchungen im Zusammenhang mit geographischen und phĂ€notypischen DatensĂ€tzen der Gattung Serinus weisen auf fĂŒnf Gruppen hin:
1. mediterrane Girlitze, ohne die isoliert lebenden Arten Zitronengirlitz (Serinus citrinella) und korsischer Zitronengirlitz (Serinus corsicanus), die der Gattung Carduelis zugeordnet werden;
2. asiatisch-afrikanische mittelgroĂe Girlitze, enthĂ€lt die Arten Alariogirlitz (Serinus alario), Gelbscheitelgirlitz (Serinus canicollis) und Rotstirngirlitz (Serinus pusillus);
3. kleine afrikanische Girlitze;
4. groĂe afrikanische Girlitze;
5. ausgestorbene Girlitze.
Die Abtrennung des Girlitzes vom Kanarengirlitz (Serinus canaria) erfolgte vor 3,5 bis 4,3 Millionen Jahren.cite-ref-radiation-17-2[17] Die Hybride zwischen beiden Vögeln erweisen sich als unbegrenzt fruchtbar miteinander.cite-ref-20[20] Weitere nahe Verwandte sind der Gelbscheitelgirlitz (Serinus canicollis), Rotstirngirlitz (Serinus pusillus) und der Alariogirlitz (Serinus alario).
Aktuelle Untersuchungencite-ref-21[21] des mitochondrialen Cytochrome b der Gattung Serinus sensu lato (inkluse der putativen Gattungen Alario, Pseudochloroptila, Serinops, Ochrospiza, Dendrospiza und Crithagra) stellen zwei Gruppen fest:
1. Palearktische und afrotropische Taxa, enthĂ€lt Serinus serinus, Serinus canaria, Alario alario (frĂŒher: Serinus alario) und den Serinus canicollis-Komplex (S. c. canicollis, S. c. thompsonae, S. c. flavivertex)
2. Endemische afrotropische Taxa Pseudochloroptila, Serinops, Ochrospiza, Poliospiza, Dendrospiza und Crithagra spp.
Beide Gruppen werden durch Carduelis-Taxa voneinander getrennt, so dass Serinus sensu lato als paraphylitisch angesehen wird und heute mehrheitlich als zwei Gattungen (Serinus und Crithagra) angegeben wird.
Interne Systematik
âą Serinus serinus serinus ist die Nominatform.
⹠Serinus serinus flaviserinus wird gewöhnlich als invalid betrachtet.cite-ref-24[24]
Bestand und Bestandsentwicklung
Das weltweite Verbreitungsgebiet des Girlitzes wird auf 4.510.000 kmÂČ geschĂ€tzt. Der groĂe weltweite Bestand umfasst etwa 30.000.000 bis 80.000.000 Individuen. Daher wird die Art als nicht gefĂ€hrdet (LC)cite-ref-25[25] eingestuft.
Die europĂ€ische Brutpopulation macht mehr als 75 Prozent der weltweiten Verbreitung aus. Sie ist mit mehr als 8.300.000 Paaren sehr groĂ und nahm zwischen 1970 und 1990 zu. Obwohl es zwischen 1990 und 2000 RĂŒckgĂ€nge in Frankreich und Malta gab, waren die Trends in anderen LĂ€ndern Europas stabil oder zunehmend, einschlieĂlich der SchlĂŒsselpopulation in Spanien. Da die Population im Ganzen stabil ist, wird der Girlitz konsequenterweise als sicher (Secure)cite-ref-26[26] gefĂŒhrt.
In Deutschland nimmt die Population im Westen zu und verhĂ€lt sich im Osten konstant. Der ostdeutsche Bestand umfasst etwa ein Drittel bis ein Viertel aller deutschen Individuen, so dass der nach der geschĂ€tzten Gesamtpopulation gewichtete Trend fĂŒr das ganze Land positiv ist. Nach der Neubesiedlung Deutschlands in den 1930er bis 1970er Jahren kam es seit Ende der 1970er Jahre besonders im Nordwesten teilweise wieder zu deutlichen BestandsrĂŒckgĂ€ngen.
In Ăsterreich nahm der Bestand seit 1998 um 80 Prozent ab. Die Vogelschutzorganisation BirdLife Ăsterreich nennt die Bodenversiegelung an den StadtrĂ€ndern, den ĂŒbertriebenen Ordnungssinn in manchen GĂ€rten und GrĂŒnanlagen â mit dem Drang zur sterilen Gestaltung â sowie den Verlust an BrachflĂ€chen als GrĂŒnde fĂŒr den RĂŒckgang.cite-ref-27[27]
Girlitz und Mensch
Im Jahre 1766 gab Carl von Linné dem Vogel den lateinischen Namen Fringilla serinus. Von der Antike bis ins 15. Jahrhundert hinein war der Girlitz wegen seines Gesanges ein besonders beliebter KÀfigvogel. Als in dieser Zeit der Import des Kanarengirlitzes einsetzte, sank jedoch die Nachfrage. Dennoch konnten die Kreuzungen beider Arten zu erschwinglichen Preisen an einen gehobeneren Kundenkreis verkauft werden. Auch heute wird der Girlitz noch als Ziervogel gehalten; doch diese Mischlinge stellen keine Zuchtziele mehr dar.
Bevor Interesse beim ZĂŒchter geĂ€uĂert wird, sollte die notwendige Weiterbildung durch geeignete Literatur vor der Anschaffung dieser Vögel erfolgen. Die Haltung entspricht weitgehend der des Kanarienvogels. Unterschiede zeigen sich in einer verĂ€nderten Nahrungszusammensetzung und einer erhöhten AnfĂ€lligkeit fĂŒr Darmkrankheiten, die durch Kokzidien hervorgerufen werden. Die Vergesellschaftung mit BluthĂ€nfling, Stieglitz, GrĂŒnling, Birken- und Erlenzeisig sowie Gimpel ist möglich, auch wenn die gleichzeitige Zusammenbringung von Gimpel und Stieglitz unbedingt vermieden werden sollte.
WĂ€hrend in Deutschland WildfĂ€nge nach dem § 20d BNatSchG illegal sind, darf der Girlitz auf Malta nach dem EG-Ăbereinkommen ĂŒber die Erhaltung der europĂ€ischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natĂŒrlichen LebensrĂ€ume vom 19. September 1979, dem Malta 1994 beigetreten ist, vom 1. September bis zum 31. Januar legal gefangen werden. TatsĂ€chlich wird diese Erlaubnis jedoch lediglich auf die Zeit vom 1. Oktober bis 10. April nach maltesischem Recht angewendet. Dabei werden unter anderem Girlitze durch Vogeljagd und Fallenstellen (âtrappingâ) lebend gefangen,cite-ref-28[28] um spĂ€ter in kleinen KĂ€figen privat gehalten oder auf VogelmĂ€rkten in Valletta verkauft zu werden.
Literatur
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Weblinks
Commons
: Girlitz (
Serinus serinus
)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber Girlitz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Girlitz (Serinus serinus) auf eBird.org
âą xeno-canto: Tonaufnahmen â Serinus serinus
âą Girlitz bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach
⹠Serinus serinus in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: BirdLife International, 2008. Abgerufen am 1. Januar 2009.
âą Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
âą Federn des Girlitzes
Einzelnachweise
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